Carsharing – zentraler Baustein der Zukunftsmobilität

1) Was ist Carsharing?

Ob Kleiderbörsen, Foodsharing oder das Teilen von Gartenwerkzeugen – die „Sharing Economy“ erobert viele Bereiche unseres Alltags. Das gemeinsame Nutzen von Pkw passt perfekt in dieses Muster. Vor allem in Großstädten oder Ballungsräumen setzen immer mehr Menschen auf Carsharing: Als Mitglied eines Verbunds erhält man Zugriff auf Autos in einem Pool. Man nutzt sie je nach Bedarf – besitzt sie aber nicht.

2) Welche Formen von Carsharing gibt es?

Beim Carsharing gibt es unterschiedliche Modelle: Die stationsbasierten Anbieter setzen auf feste Standorte, an denen Fahrzeuge ausgeliehen und auch wieder zurückgegeben werden müssen. Die Free-Floating-Systeme hingegen geben den Kunden die Möglichkeit, Pkw flexibel zu nutzen. Mit Unterstützung von Apps können Fahrzeuge per Smartphone lokalisiert und an beliebiger Stelle im Einzugsgebiet wieder abgegeben werden.

Eine vom Branchenverband bcs (Bundesverband CarSharing) 2016 präsentierte Untersuchung zeigt, dass kombinierte Angebote im Trend liegen. Dabei werden stationsbasierte und free-floatende Fahrzeuge von einem Anbieter zu einem einheitlichen Tarif bereitgestellt. Das geschieht aktuell etwa in Frankfurt am Main, Mannheim, Heidelberg, Hannover und Osnabrück. Bei dieser Art von Angeboten ist für die Kunden nicht nur die Möglichkeit zu Einwegfahrten interessant. Besonders attraktiv ist vielmehr die zeitlich flexible Nutzung auch über längere Wegstrecken hinweg.

Das Carsharing-Spektrum wird auch noch durch privates Autoteilen (Peer-to-Peer-Carsharing) erweitert. Dabei überlassen Privatpersonen ihre Fahrzeuge über Web-Plattformen anderen Nutzern.

RENEWBILITY - Stadtmobil Rhein-Neckar AG Mannheim

Quelle: stadtmobil_Rhein-Neckar_AG_Mannheim

3) Wie entwickelt sich Carsharing derzeit in Deutschland

Am 1. Januar 2016 waren nach Angaben des bcs in Deutschland 1,26 Millionen Kunden registriert. Das sind 220.000 mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden im Bundesgebiet 16.100 Carsharing-Fahrzeuge angeboten. Zu Beginn 2016 setzten 537 Städten und Gemeinden auf das Prinzip „Nutzen statt Besitzen“ – Anfang 2015 waren es noch 490.

4) Was sind die großen Trends beim Carsharing?

Der technologische Fortschritt ist ein extrem bedeutsamer Treiber beim Carsharing. Die Informations- und Kommunikationstechnologie liefert in rasantem Tempo neue Angebote. Sie erleichtern sowohl das One-Way-Carsharing, als auch multimodale Lösungen, also die Kombination mehrerer Verkehrsmittel, deutlich. Das führt ganz generell zu einer intensiveren Vernetzung von Verkehrsmitteln und einer breiten Auffächerung der Möglichkeiten, Alltags- und Berufswege zurückzulegen. Das macht es für Menschen einfacher, auf einen eigenen Pkw zu verzichten. Und es schafft Räume für Carsharing.

Das Zusammenspiel der einzelnen Player im Mobilitätssektor wird immer mehr durch neue Geschäftsmodelle geregelt. Das gilt nicht nur für die Kombination verschiedener Formen von Carsharing. Auch multimodale Angebote, die ein gemeinsames Dach für ÖPNV, Leihfahrräder und Carsharing bieten, werden immer enger vernetzt.

5) Wie wirkt sich Carsharing auf das gesamte Mobilitätsverhalten und den Pkw-Besitz in Großstädten aus?

Carsharing ist ein wesentlicher Baustein zukunftsorientierter Mobilität und kann entscheidende Verhaltensänderungen unterstützen. Carsharing-Angebote in Städten, kommerzieller und privater Art, mindern den Druck, ein eigenes Auto zu besitzen. Carsharer ohne eigenes Auto sind wiederum eher dazu bereit, andere Mobilitätsformen zu nutzen. Auch wenn Carsharing-Kunden gelegentlich einen Weg mit dem Auto zurücklegen, für den sie früher den Bus oder das Fahrrad gewählt hätten – insgesamt stärkt das „Teilen von Autos“ den Trend weg vom eigenen Pkw. Hinzu kommt: Carsharing-Fahrzeuge sind in aller Regel energieeffizienter und abgasärmer als ein durchschnittlicher Pkw im Stadtverkehr. Auch der Anteil alternativer Antriebe ist beim Carsharing höher.

Der Erfolg von Carsharing hängt stark von flankierenden Maßnahmen ab, die multimodales Verkehrsverhalten hin zu einer umweltfreundlichen Mobilität fördern. Dazu gehört unter anderem, dass parallel zum Ausbau der Carsharing-Systeme die zu ergänzenden Verkehrsmittel wie der öffentliche Verkehr und deren Vernetzung sowie die Bereitstellung von Parkraum für Carsharing-Fahrzeuge gefördert werden.

Die flexiblen Leihautos müssen also gemeinsam mit dem ÖPNV, Fuß- und Radverkehr gedacht werden. Forschungsprojekte wie „share“ des Öko-Instituts und Instituts für sozial-ökologische Forschung belegen, dass Nutzer von One-Way-Carsharing in Großstädten in hohem Maße auf vielfältige Mobilität setzen: Sie verzichten oft auf das eigene Auto und nutzen den ÖPNV oder das Fahrrad viel häufiger als der durchschnittliche Verkehrsteilnehmer. Und sie genießen den Zuwachs an Freiheit, den diese flexible Art der Fortbewegung mit sich bringt.

6) Welche Rolle spielt Elektromobilität im Carsharing?

Die Bundesregierung möchte bis zum Jahr 2020 eine Million E-Autos auf Deutschlands Straßen bringen. Fahrzeugflotten bieten einige besondere Vorzüge: Hier können gemeinsame Investitionsentscheidungen getroffen werden, und man bringt zahlreiche Nutzer – oft erstmals – mit E-Autos in Berührung. So können sie eigene Erfahrungen sammeln. Hinzu kommt, dass für die meisten Nutzer von Carsharing die Art des Antriebs keine wichtige Rolle spielt.

Studien zeigen, dass klassische Hemmschwellen wie geringe Reichweiten hier nicht von Bedeutung sind. Schließlich werden von den Nutzern hauptsächlich kurze Teilstrecken mit dem Carsharing-Auto zurückgelegt.

7) Welchen Beitrag leistet Carsharing zum Klimaschutz?

Einen vielfältigen und wichtigen: Carsharing kann in multimodalen Umweltverbünden generell die Bereitschaft erhöhen, den ÖPNV verstärkt zu nutzen, mehr zu Fuß zu gehen und Rad zu fahren. Das reduziert Treibhausgase, senkt Lärmbelastung und macht Städte lebenswerter, nicht zuletzt durch weniger Bedarf an Parkflächen.

Wenn Carsharing-Autos batterieelektrisch fahren und mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden, senken sie zusätzlich den Ausstoß von CO2 und tragen zu besserer Luftqualität bei. Auch machen sie die E-Mobilität generell bekannter und wirtschaftlicher. Zudem werden Berührungsängste zu den elektrischen Fahrzeugen abgebaut.