Die vollständige Dekarbonisierung des Verkehrssektors – eine Zukunftsfrage

RENEWBILITY - Air-Pollution

Quelle: Von Zakysant aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0

1. Was bedeutet Dekarbonisierung?

Der Klimawandel schreitet voran. Wenn wir die Erderwärmung aufhalten wollen, müssen wir den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase radikal senken. Die Weltwirtschaft muss dazu rasch in eine Form umgewandelt werden, die wesentlich weniger Kohlenstoff als jetzt umsetzt. Dieser Transformationsprozess wird als Dekarbonisierung bezeichnet. Im Pariser Klimaabkommen wird dieser formale Begriff übrigens vermieden. Stattdessen fordern die Politiker, dass die menschengemachten Treibhausgase in eine Balance mit sogenannten „Senken“ gebracht werden – damit ist gemeint, dass Emissionen beispielsweise durch Aufforstung von Wäldern neutralisiert werden, da die Bäume der Atmosphäre die schädlichen Gase entziehen.

2. Wie sieht der politische Rahmen dafür aus?

Deutschland hat sich selbst das Ziel gesetzt, den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Die EU hat sich dieses Einsparungsziel für 2030 gesetzt, Deutschland will bis dahin sogar um 55 Prozent reduzieren. Ein Aktionsprogramm der Bundesregierung aus dem Jahr 2014 hat zur Zielerreichung 2020 zahlreiche Maßnahmen präzisiert. Im Pariser Klimaabkommen, das Ende 2015 beschlossen wurde, finden sich Verpflichtungen für nationale Beiträge zum Klimaschutz, die sogenannten NDCs („nationally determined contributions“). Das Abkommen hat erstmals in einem völkerrechtlichen Vertrag Obergrenzen für die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Niveau festgelegt. Diese sollte zwei Grad keineswegs übersteigen und idealerweise bei 1,5 Grad liegen. Dieses Ziel kann nur mit einer dekarbonisierten Weltwirtschaft  erreicht werden.

3. Welche Rolle hat der Verkehrssektor dabei?

Der Handlungsdruck für Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen ist bereits heute enorm. Der Umbau von Energie-, Produktions- und Transportsystemen ist diskussionsintensiv und braucht viel Zeit. Im  Jahr 2050 dürfen wir in Deutschland nur noch etwa 60 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Diese Sockelbeträge werden allerdings bereits von den Sektoren Landwirtschaft und Industrie praktisch zur Gänze aufgebraucht. Das Umweltbundesamt hat 2013 ein Szenario eines treibhausgasneutralen Deutschlands für das Jahr 2050 entworfen. Darin wäre der Agrarsektor für mehr als die Hälfte der verbleibenden Emissionen verantwortlich, die Industrie für über 20 Prozent. Der Verkehrssektor kann das ausgleichen – indem er vollständig CO2-frei gestaltet wird.

4. Wie haben sich CO2-Emissionen des Verkehrs in Deutschland entwickelt?

Im Jahr 1990 war der Verkehrssektor für eine Menge von 165 Millionen Tonnen CO2-äquivalenten Treibhausgasen verantwortlich, im Jahr 2000 stieg dieser Anteil auf 183 Millionen an. Nach einer kontinuierlichen Phase der Abnahme bis zum Jahr 2010, bei der die Werte bis nahe 150 Millionen Tonnen absanken, stieg der Wert danach wieder an. 2014 lag er bei etwa 161 Millionen, 2015 bei rund 163 Millionen Tonnen. Der Verkehrssektor hat damit als einziger Sektor bisher keinen Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Das Umweltbundesamt und das Bundesumweltministerium machen vor allem den Rückgang der Kraftstoffpreise und einen damit einhergehenden Anstieg von Fahrleistung und der Nachfrage nach größeren und leistungsstärkeren Pkw sowie die Zunahme des Güterverkehrs auf der Straße für die Trendwende verantwortlich.

5. Welche Optionen sind für den Verkehrssektor bis 2050 derzeit in der Diskussion?

Politisch werden Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen diskutiert. Das Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 der Bundesregierung führt Effizienzsteigerungen ebenso an wie technologische Neuerungen. Auf europäischer Ebene wurde ein Grenzwert von 95 g CO2 pro Kilometer für alle neu zugelassenen Pkw beschlossen, der ab dem Jahr 2021 gilt, und dessen Fortschreibung derzeit diskutiert wird. Es gibt aber auch andere legislative Ansätze, wie Steuern auf Kraftstoffe und Kraftfahrzeuge oder Mautsysteme.

Der Elektromobilität kommt für die Dekarbonisierung des Verkehrssektors eine große Bedeutung zu. Intensiv werden auch Wege gesucht, wie Bus und Bahn sowie der Fuß- und Radverkehr gestärkt werden können – und wie man all diese Fortbewegungsarten multimodal miteinander verknüpfen kann.  Einen weiteren Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors können in Zukunft alternative Treibstoffmodelle leisten. Besonders wichtig ist dabei die Umwandlung von Strom aus erneuerbaren Energien in Kraftstoffe, Stichwort „PtX“ (Power-to-Gas und Power-to-Liquid).