Fünf Fragen an … Eckehart Rotter und Florian Hacker

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Foto: Eckehart Rotter
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Foto: Florian Hacker
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Welchen Stellenwert hat E-Mobilität in der deutschen Automobilindustrie?

Eckehart Rotter: Wir brauchen die E-Mobilität, um unsere CO2-Klimaschutzziele zu erreichen sowie den Ausstieg aus der fossilen Mobilität einzuleiten. Die Deutschen gehen mit gutem Beispiel voran und sind mit 29 Serienmodellen auf der Straße Leitanbieter.

Florian Hacker: E-Autos sind in Deutschland noch reine Nischenprodukte, die absoluten Produktionszahlen sind extrem klein. Die Industrie lebt zu gut mit dem guten alten Verbrennungsmotor und es gibt zu wenige Anreize für eine ernstzunehmende Transformation.

Was sind die zentralen Hindernisse für mehr Elektromobilität?

Eckehart Rotter: Vom Ziel, Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität zu machen, sind wir noch weit entfernt. Daher ist es richtig und notwendig, nun rasch die geeigneten Rahmenbedingungen zu schaffen. Hier ist die Politik gefordert.

Florian Hacker: Es fehlt an politischem Mut und gesellschaftlicher Bereitschaft. Anders als bei der Energiewende überwiegen die Beharrungskräfte. Die Industrie setzt weiterhin auf die etablierte Erfolgslinie, solange die Politik keine langfristige Strategie fährt. Und die Bevölkerung reagiert sensibel, weil sich ein Systemwechsel sofort auf den Alltag auswirkt. Da ist der Leidensdruck noch nicht so groß wie etwa in China, wo die Menschen wegen der drastischen Luftverschmutzung Maßnahmen einfordern.

Was sollte die Bundesregierung jetzt tun?

Eckehart Rotter: Die Nationale Plattform Elektromobilität hat geeignete Maßnahmen genannt. Neben dem Aufbau der Ladeinfrastruktur gehören dazu Impulse, um den Markthochlauf zu unterstützen. Auf die lange Bank sollte das nicht geschoben werden.

Florian Hacker: Es geht vor allem darum,  langfristig Planungssicherheit herzustellen. Etwa wie in Kalifornien durch die Kombination von aufkommensneutral gegenfinanzierten Kaufanreizen, verpflichtenden Verkaufsquoten und einer zeitlich befristeten Privilegierung von E-Fahrzeugen im Alltag.

Sie reisen ins Jahr 2030: Wie lässt sich die Rolle der E-Mobilität zu diesem Zeitpunkt am besten beschreiben?

Eckehart Rotter: Autos mit E-Antrieb werden immer mehr das Straßenbild bestimmen.

Florian Hacker: Es wird zwar noch kein vollständiger Systemwechsel geschafft sein, aber der Einstieg in eine neue Mobilität wird gelungen sein – mit einer deutlichen Präsenz von E-Fahrzeugen.

Und 2050?

Eckehart Rotter: Der Anteil der Elektromobilität wird weiter gestiegen sein, auch der Wasserstoffantrieb hat dann eine breite Basis. Aber ich gehe auch davon aus, dass der Verbrennungsmotor in 34 Jahren noch auf unseren Straßen anzutreffen sein wird – sauberer denn je.

Florian Hacker: Wenn wir die Klimaziele und unsere globale Verantwortung ernst nehmen, dann wird der Großteil der Fahrzeuge batterieelektrisch betrieben, andere alternative Antriebsoptionen werden zumindest bei Pkw nur eine geringe Rolle spielen. Wir werden Mobilität ganz anders denken und leben, etwa mit autonomem Fahren und intelligenter multimodaler Integration.

Eckehart Rotter ist Pressesprecher des Verbands der Automobilindustrie e.V. (VDA), der VDA ist Mitglied der Szenario-Gruppe des Projekts Renewbility.

Florian Hacker ist Senior Researcher beim Öko-Institut e.V., er unterstützt das Projekt Renewbility zum Thema Elektromobilität.

Fragen: Robert Sedlak, Agentur tippingpoints