Fünf Fragen an UWE BRENDLE zu den Erkenntnissen aus dem Projekt Renewbility

RENEWBILITY_Uwe-Brendle

Quelle: BMUB

1. Was passiert, wenn wir keine zusätzlichen Maßnahmen – über die bereits heute geplanten hinaus – setzen?

Dann wird – wie in der Vergangenheit – die Verkehrsentwicklung die Effizienzgewinne bei den Fahrzeugen auffressen. Der Verkehr bliebe dann auch in Zukunft der Sektor, der beim Klimaschutz nicht vorankommt. Und nicht nur da.

2. Welche Optionen für eine Dekarbonisierung bestehen?

Im Kern haben wir zwei Möglichkeiten, den Verkehr langfristig treibhausgasneutral zu gestalten: weniger Energieverbrauch und den Einsatz erneuerbarer Energien. Die Reduzierung des Energieverbrauchs gelingt uns durch einen höheren Anteil der umweltfreundlichen Verkehrsträger, durch bessere Fahrzeugtechnik und ein Stück weit auch durch intelligente Planung – Stichwort „Stadt der kurzen Wege“, „Home Office“ etc. Mit mehr erneuerbaren Energien müssen wir dann all das ausfüllen, was trotz höherer Effizienz noch an Energiebedarf verbleibt. Das ist eine Menge, deswegen brauchen wir unbedingt beide Pfade.

3. Welche Rolle spielen Kraftstoffe in den Szenarien?

Sie sind in gewisser Weise eine Schlüsselfrage: Auf der einen Seite wissen wir genau, dass der Effizienzpfad, also z.B. ein starker Umweltverbund, nicht nur beim Klimaschutz hilft, sondern auch bei Luft, Lärm und Fläche entlastet. Er schafft Lebensqualität. Auf der anderen Seite ist klar: Im Luft- und im Seeverkehr, auch in Teilen des Straßenverkehrs, wird es in den nächsten Jahrzehnten nicht ohne Flüssigkraftstoffe gehen. Neben der dringend notwendigen Elektrifizierung und erheblichen Effizienzsteigerungen brauchen wir zusätzlich noch Kraftstoffe aus Wind und Sonnenenergie.

4. Was bringen die Projektergebnisse von Renewbility der Politik?

Renewbility zeigt uns: Klimaschutz im Verkehr, das geht! Und zwar ohne Einbußen bei Wachstum und Wohlstand, sondern im Gegenteil mit einem Mehr an Lebensqualität. Mit dem Projekt zeigen wir die möglichen Pfade, ihre Vorzüge und Nachteile auf. Wir stellen uns nicht hin und sagen: So muss es sein, Verkehr muss verhindert werden, Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen müssen so und so handeln. Wir sagen: Das sind die Möglichkeiten, lasst uns darüber diskutieren, welche Wege die sinnvollsten sind.

5. Wie geht es nun konkret weiter?

Paris und Elmau, also die Klimakonferenz und das G7-Treffen, haben gezeigt wo die Reise hingeht: Langfristig 100% Klimaschutz und eine vollständige Dekarbonisierung. Die Ergebnisse von Renewbility werden wir nutzen, für den Verkehr in den Programmen der Bundesregierung – zum Beispiel dem Klimaschutzplan 2050 – einen zukunftsfähigen, in jeder Dimension nachhaltigen Entwicklungspfad zu vereinbaren. Die Optionen sind da, die Chancen für Wirtschaft, Umwelt und die Menschen sind groß.

Uwe Brendle ist Referatsleiter Umwelt und Verkehr, Elektromobilität des Bundesumweltministeriums
Die Fragen stellte Robert Sedlak, Agentur tippingpoints