Vier Fragen an … Wiebke Zimmer

Renewbility Portrait Wiebke Zimmer

Foto: Dr. Wiebke Zimmer

1. Was fasziniert Sie an Renewbility?

Wir bilden in unserem Projekt den Verkehrssektor auf eine so umfassende und transparente Weise ab, wie es sonst selten gelingt. Üblicherweise werden nur Detailfelder genau beobachtet und analysiert. Wir modellieren alles, vom CO2-Ausstoß bis zu Veränderungen im Fahrerverhalten. Außerdem zeigen wir auf, wie die Effekte auf Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft aussehen. Dieses Komplettbild über alle Ebenen hinweg gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus den verschiedensten wissenschaftlichen Feldern zu erstellen ist eine großartige Aufgabe. Und dann ist da natürlich der Stakeholder-Prozess: Wir bringen den wissenschaftlichen Input und diskutieren ihn mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Dieses Miteinander, die Neugierde der Akteure und die sachlichen Gespräche, all das macht viel Spaß! Und natürlich sind gerade für Entscheidungsträger Ergebnisse, die nicht im Elfenbeinturm entstanden sind, besonders wichtig.

2. Wo liegen die zentralen Herausforderungen?

Es ist eine recht komplexe Aufgabe, Szenarien gemeinsam in einer sehr heterogenen Gruppe zu entwickeln. Die zentrale Frage ist dabei: Wie bekommen wir auch in politisch brisanten Feldern eine gute Diskussion zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen hin? Und dann ist da auch das wissenschaftliche Element: Welches Modell stößt wann an seine Grenzen? Wie kann man einzelne Methoden optimal ausnützen und in Verbindung zu anderen setzen? Auch darin liegt eine spannende Herausforderung!

3. Welche Rolle spielt Renewbility für den „Klimaschutzplan 2050“?

Eine gewichtige. Die Bundesregierung wird bis 2016 einen Klimaschutzplan 2050 erarbeiten. Mit Renewbility wollen wir hochqualifizierte Diskussionsbeiträge zur Entwicklung des Plans im Bereich Verkehr leisten, mit in sich konsistenten und ambitionierten Szenarien.

Eine spannende Referenz in diesem Zusammenhang ist übrigens die aktuelle Verkehrsprognose 2030 des Bundesverkehrsministeriums. Darin wird nämlich auch bereits politisch ambitioniertes Handeln vorausgesetzt. So geht das BMVI davon aus, dass der Mineralölsteuersatz um 2,3 Prozent pro Jahr steigt – eine logische Konsequenz der Effizienzsteigerung der Pkw. Im Jahr 2030 müssten man anstelle von heute 0,65 Euro einen Betrag von 1,35 Euro pro Liter kalkulieren. Die zweite mutige Annahme: Eine Fortschreibung der CO2-Grenzwerte. Das BMVI geht offensichtlich davon aus, dass im Jahr 2030 ein durchschnittlicher CO2-Ausstoß von 70 Gramm pro Kilometer zu erwarten ist. Es freut uns, dass diese beiden – vollkommen richtigen und notwendigen – Maßnahmen vom BMVI offensichtlich als unverzichtbar angesehen werden.

4. Unterscheiden sich die Zielsetzungen von Renewbility und vom Klimaschutzplan 2050?

Das Ziel ist das gleiche: ein weitgehend klimaneutraler Verkehr im Jahr 2050. Wir erarbeiten ganz konkrete politische Maßnahmenpakete, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten entsprechend der Zielsetzung umgesetzt werden könnten. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Renewbility fließen in den Prozess zur Erarbeitung und Konkretisierung des Klimaschutzplans ein.

Dr. Wiebke Zimmer, Öko Institut, Stellvertretende Bereichsleiterin
Infrastruktur & Unternehmen, Forschungsschwerpunkt Nachhaltige Mobilität, Projektleitung „Renewbility“

Das Gespräch führte Robert Sedlak, Agentur tippingpoints